Rückblick auf das Jahr 1992:
Die Gruppe „U 96“ liegt 13 Wochen mit dem Titel „Das Boot“ an der Spitze der deutschen Charts, in Barcelona finden die XXV. Olympische Sommerspiele statt, im Frankfurter Waldstadion gewinnt Deutschland (mit Steffi Graf und Anke Huber) das Fed-Cup-Finale im Tennis gegen Spanien und Microsoft bringt Windows 3.1 auf den Markt.
In den USA wird Bill Clinton wird zum 42. Präsidenten gewählt, in Deutschland werden die beiden Bundestagsabgeordneten Petra Kelly und Gert Bastian (Die Grünen) tot aufgefunden. Der frühere DDR-Staatschef Erich Honecker kehrt aus der Zuflucht in der chilenischen Botschaft in Moskau nach Berlin zurück und wird auf dem Flughafen wegen eines vorliegenden Haftbefehls festgenommen.
In Frankfurt am Main findet auf dem Messegelände die 1. Internationale Tattoo-Convention statt, die seitdem jedes Jahr in der Mainmetropole ihre Tore öffnet und mittlerweile die grösste Messe ihrer Art in Deutschland und eine der bedeutensten der Welt geworden ist.
In Los Angeles kommt es zu 6-tägigen gewalttätigen Rassenunruhen, die über 50 Menschen das Leben kosten, Serbien und Kroatien beschliessen einen Waffenstillstand.
Nach insgesamt 19 Wochen an der Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga beendet Eintracht Frankfurt die Saison 1991/92 als Tabellendritter.
Deutschland schliesst Nachbarschaftsverträge mit Tschechien und Ungarn. Die Nationalbibliothek in Sarajevo wird von der serbischen Armee beschossen und brennt völlig aus - in den Flammen verbrennen mehr als 2 Millionen Bücher und Dokumente.
Zur Geschichte des Tätowierens:
Tätowierungen gehören schon seit ewigen Zeiten zur Kultur des Menschen. Schon seit der Zeit der Höhlenmalereien der prähistorischen Menschen ist das Tätowieren eine bekannte Technik, um sich zu verschönern,.Feinde zu erschrecken oder auch um rituelle Bräuche und Glaubensgründe umzusetzen.
Tätowierungen schmückten die Körper, die man nach Tausenden von Jahren aus dem ewigen Eis der Gletscher barg - hier sei zum einen der berühmte über 5300 Jahre alte "Ötzi"
als Stellvertreter für viele andere genannt, dessen über 40 Tätowierungen wahrscheinlich Heilzwecken dienten, zum anderen die über 2400 Jahre alte Frau, die bei dem russischen Ukok-Plateau gefunden wurde:
Sie trug an Armen und Schultern kunstvolle und reich verzierte Tätowierungen von Vögel, Hirschen und mystischen Tieren, die mit einer Knochennadel und Ruß unter die Haut gestochen wurden. Bisher ist sie die älteste bekannte tätowierte Frau, vermutlich war sie eine Kriegerin, Erzählerin von Stammesgeschichten oder ähnliches und in ihrem Stamm (Pazyryker) hoch angesehen.
Früher fügte man sich Schnitte zu und rieb dann Holzkohle, farbige Erde oder Pflanzenteile in die Wunde, später wurde hierfür Tinte benutzt. Pikten und Skoten, die Ureinwohner Englands, Schottlands und Irlands beispielsweise schockierten die römischen Berichterstatter durch ihre "bemalten" Körper, bei deren Anblick die römischen Legionen das blanke Entsetzen packte.
Später diente die Tätowierung eher praktischen und christlichen Zwecken:
Die Seefahrer des Mittelalters versuchten sich durch ein eintätowiertes Kreuz eine christliche Bestattung zu sichern, falls sie fern der Heimat zu Tode kamen.
James Cook brachte 1775 von einer seiner Reisen in die Südsee einen Tahitianer mit nach Europa, dessen polynesische Stammestätowierungen sowohl eine wahre "Tattoomania" beim europäischen Hochadel auslösten als auch das Erscheinungsbild des Seemanns entscheidend veränderten: Tätowierungen wurden zum Souvenir der Seefahrer, die die Südsee bereisten, wobei sich allerdings schnell die traditionelle Kunst der Polynesier mit den Bilderwünschen der Kunden zu einer neuen Symbolsprache verband - dem, was wir heute als "Traditional Tattoo" bezeichnen: Spruchbänder, Herzen, Rosen, Schlangen, Schwerter - kurz, die ganze Palette des Tätowierers der Jahrhundertwende in den europäischen Hafenstädten.
Bei der aktuellen Lust am Tattoo kann man also nicht von einem neuen Modetrend sprechen, sondern höchstens von einer Renaissance.
Neu ist allerdings die stilistische Vielfalt der heutigen Tätowierungen: Von originalgetreuen Stammestätowierungen aus der Südsee über deren moderne Adaptionen, die Tribals bis hin zu Celtic Tattoos, in denen sich die verschlungenen Ornamente und Tiergestalten irischer Buchmalereien des ersten Jahrtausends n.Chr. wiederfinden.
Darüber hinaus die vom Schweizer Künstler Giger inspirierten "Biomechanics", Graffitti- und Comic-Motive, indianische Symbole, Tiere, einfarbige Tattoos mit vielen Schattierungen, klare und kräftige farbige Motive - und als neuester Trend die "Neo-Traditionals", die wieder die alte Formensprache aufgreifen.
Die Motivwahl wird immer als eine individuelle Entscheidung des Trägers akzeptiert - was letztendlich zählt, ist die Art der Ausführung.
Um die Jahrhundertwende, als die elektrische Tätowiermaschine Einzug in die Studios hielt, war es den Künstlern plötzlich möglich, ihre Vorstellungen problemloser umzusetzen. In den letzten Jahren wurden so hohe hygienische Standards gesetzt, daß mittlerweile auch das Abheilen einer Tätowierung überhaupt kein Thema mehr ist. Die Farben sind allergiegetestet und auf Naturbasis hergestellt, die Nadeln werden nach jedem Kunden entsorgt und die kompletten Tattoo-Maschinen genau wie medizinische Geräte sterilisiert.
Es gibt aber auch heute noch Tätowierer, die völlig ohne Maschinen arbeiten und auf die alten Traditionen setzen: Zum Beispiel entstehen die berühmten farbigen japanischen Tätowierungen auch heute noch oft in reiner Handarbeit; auch viele Künstler aus der Südsee arbeiten noch bzw. wieder mit Muscheln und bringen die Tätowierungen auf althergebrachte Weise an. Das ist natürlich wesentlich zeitaufwendiger, und so gehen für die kunstvollen Ganzkörpertätowierungen oft viele Jahre ins Land.
Heute treffen sich die Besten der Tätowierer auf den grossen internationalen Conventions, um für ein paar Tage gemeinsam zu arbeiten. Neue Stile werden einem größeren Kreis bekanntgemacht, technische Weiterentwicklungen vorgestellt und man sieht mal wieder, was die anderen Künstler so alles "drauf haben". Hier besteht auch die beste Möglichkeit, sich über dieses Thema zu informieren - mehr bekannte Künstler aus allen möglichen Nationen trifft man sonst auf einmal nie an.
Gleichzeitig finden auf den Conventions auch Wettbewerbe statt, in denen die besten Tätowierungen prämiert werden. Auch das Rahmenprogramm der Conventions kann sich sehen lassen: Piercing, Henna (Mehndi)-Bemalungen, Bühnenshows und vieles mehr runden die Veranstaltungen ab. Letzten Endes trifft sich hier eine grosse Familie, egal ob Künstler, Kunden, Fans oder einfach nur Neugierige.
Wann gehören auch Sie dazu ?
Die Veranstaltung:
Sich tätowieren zu lassen ist seit Jahren absolut "IN", was einst als "Modetrend" abgetan wurde oder - ein häufig gehörtes Vorurteil der Vergangenheit - angeblich nur von Seeleuten oder Knastbrüdern getragen wurde, hat sich mittlerweile durch alle Gesellschaftsschichten hindurch als beliebter Körperschmuck etabliert.
Nach neuesten Erhebungen sind ca. 2 Millionen der Deutschen tätowiert - Tendenz steigend. Kennt man die Clientel der Tattoo-Studios, so blickt man auf eine bunte Vielfalt von Zeitgenossen: Ärzte, Rechtsanwälte, Professoren, Sekretärinnen, Polizisten und natürlich viele Prominente wie z.B. Jon Bon Jovi, US-Schauspielerin Angelina Jolie, die Red Hot Chili Peppers, die Spice Girls, Andre Agassi, Handball-Nationalspieler Stefan Kretzschmar, Lenni Kravitz, der US-Basketballer Dennis Rodman, Robbie Williams, Bruce Willis, Sean Connery und viele andere mehr.
Gerade die junge Generation von heute lässt sich durch ihre Idole aus Showbiz und Sport inspirieren und trägt stolz ihre Tattoos zur Schau. Der vielfältige Geschmack der Kunden, die riesige Vielfalt der Stile und Motive und die "Handschrift" des jeweiligen Künstlers sorgen dafür, das jeder sein ganz persönliches, individuelles Tattoo erhält. Spätestens wenn man einmal eines der modernen und sauberen Tattoo-Studios von heute gesehen hat, wird einem klar, das sich das Tätowieren gewaltig weiterentwickelt hat.
Während der internationalen Tattoo-Convention in Frankfurt am Main demonstrieren jedes Jahr über 200 Nationale und Internationale Tätowierer aus Europa und Übersee dem Publikum ihr Können. Hier kann der interessierte Tattoo-Fan nicht nur die Bilder zu bewundern, die auf den Conventions mit ca. 60.000 Stichen in der Minute in die Haut gestochen werden, sondern auch aktiv am großen Wettbewerb teilnehmen, wo auch Tätowierungen bewertet werden, die schon früher gemacht worden sind.
Wer also schon eine Tätowierung hat, ist natürlich herzlich eingeladen, am Wettbewerb teilzunehmen, bei dem die besten Tattoos mit einem Pokal belohnt werden. An allen Tagen wird außerdem jeweils abends aus den auf der Convention gemachten Tätowierungen der beste Künstler bzw. das beste Tattoo des Tages gekürt.
Weitere Abwechslung wird im Eingangsbereich und im Vorraum des Forums an der Festhalle geboten: Eine Vielzahl von Händlern bietet keltischen Schmuck, Lack- und Lederkleidung, T-Shirts , Indianer- und Piercingschmuck, Biker-Zubehör und vieles mehr.